Speicherung und Ausscheidung des Harns: Der Weg des Harns durch den menschlichen Körper

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Harnblase

Wenn die glatten Muskelzellen der Blasenwand sich dehnen, wird der Miktionsreflex (zum Urinieren) ausgelöst.

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Querschnitt durch die Harnblase mit Blasenhals, Detrusormuskel, Blasendreieck und Harnröhre

Der in den Nieren gebildete Urin gelangt durch die Harnleiter in die Harnblase. Die Harnblase dehnt sich wie ein elastischer Beutel, um mehr Urin aufnehmen zu können. Sobald sie ihr Fassungsvermögen erreicht hat, beginnt die Blasenentleerung oder Miktion. Unwillkürliche Muskelbewegungen senden Signale an das Nervensystem, um so die Entscheidung zur Blasenentleerung unter bewusster Kontrolle ablaufen zu lassen.

1. Die Harnkontinenz wird durch zwei Schließmuskel gewährleistet

Innerer und äußerer Harnröhrenschließmuskel der Harnblase

Innerer und äußerer Schließmuskel der Harnröhre ermöglichen gemeinschaftlich die Muskelkontrolle über die Harnentleerung. Der innere Harnröhrenschließmuskel unterliegt der unwillkürlichen Kontrolle. Er umschließt die Blasenmündung in die Harnröhre und lässt im erschlafften Zustand Urin durchfließen. Der äußere Harnröhrenschließmuskel unterliegt der willkürlichen Kontrolle. Er umschließt die Harnröhre außerhalb der Harnblase und muss erschlaffen, damit es zur Blasenentleerung kommt.

2. Die Harnblase nimmt an Größe zu, während sie sich mit Urin füllt

Die Anatomie der Harnblase im Querschnitt

Im leeren Zustand hat die Harnblase die Form einer Pyramide. Während sie sich mit Harn füllt und an Größe zunimmt, wird sie eher oval. Die Harnblase ist von glatter Muskulatur, dem so genannten Detrusormuskel, umhüllt und weist auf der Innenwand eine Schleimhautfältelung auf, die Rugae. Diese Strukturen geben der Harnblase ihre Elastizität und ermöglichen die Größenzunahme. Am Boden der Harnblase findet sich eine trichterförmige Region, die als Trigonum bezeichnet wird; gebildet wird dieser Bereich durch die Einmündungen der beiden Harnleiter und den inneren Harnröhrenschließmuskel. Der Urin strömt durch die Harnleitermündungen in die Harnblase und durch den inneren Harnröhrenschließmuskel nach außen.

3. Muskeln der Blasenentleerung: Detrusormuskel und die beiden Harnröhrenschließmuskeln

Eine Harnblase mit gesammeltem Urin und eine Harnblase im Zustand der Entleerung – jeweils mit den Harnröhrenschließmuskeln und dem Detrusormuskel, die den Vorgang erleichtern

Unter der Harnblasenentleerung oder Miktion wird der Vorgang verstanden, bei dem die Harnblase entleert wird. Sobald die Harnblase mit Urin gefüllt ist, lösen Dehnungsrezeptoren in der Blasenwand den Entleerungsreflex aus. Der die Harnblase umhüllende Detrusormuskel kontrahiert sich. Der innere Harnröhrenschließmuskel erschlafft, so dass Urin aus der Harnblase in die Harnröhre strömen kann. Beide Reaktionen laufen unwillkürlich ab. Der äußere Harnröhrenschließmuskel unterliegt der willkürlichen Kontrolle. Er muss erschlaffen, damit Urin durch die Harnröhre nach außen strömen kann.

4. Wie voll kann die Harnblase werden, bevor wir Wasser lassen müssen?

Eine volle Harnblase und die für den Harndrang verantwortlichen Muskeln der Blasenentleerung.

Während Urin aus den Harnleitern in die Harnblase strömt, nimmt diese an Größe zu; doch gibt es eine Volumenobergrenze. Bei etwa 200 ml Urin beginnt sich der Detrusormuskel zu kontrahieren und der innere Harnröhrenschließmuskel zu erschlaffen. Dadurch werden Signale an das Nervensystem geschickt, die den Drang („Urge“) zur Blasenentleerung auslösen. Wird der Drang ignoriert, ist möglicherweise die Kontinenz gefährdet. Bei einem Volumen von etwa 500 ml erzwingen die Kontraktionen des Detrusormuskels die Erschlaffung des inneren Harnröhrenschließmuskels. Sofern der äußere Harnröhrenschließmuskel nicht kräftig genug ist, dem Druck durch den Urin zu widerstehen, kommt es zur unwillkürlichen Blasenentleerung (Miktion).

5. Durch die Dehnung der Blasenwand leitet das Nervensystem die Blasenentleerung kontrolliert ein

Zur Animation der Nervenantwort auf eine volle Harnblase hier klicken

Die Dehnung der glatten Muskulatur leitet durch Aktivierung der in der Blasenwand sitzenden Dehnungsrezeptoren den Entleerungsreflex ein. Durch diesen autonomen Reflex kontrahiert sich der Detrusormuskel und der innere Harnröhrenschließmuskel erschlafft, so dass Urin in die Harnröhre strömen kann. Die Dehnungsrezeptoren senden auch ein Signal an den Hypothalamus und die Großhirnrinde für die willkürliche Kontrolle über den äußeren Harnröhrenschließmuskel. Mit zunehmender Reifung unseres Gehirns erlangen wir im Alter von etwa 2 bis 3 Jahren die Kontrolle über unsere Blasenentleerung.

Externe Hilfe

Eine Beschreibung der Harnblase, aus Gray's Anatomy of the Human Body, Ausgabe 1918.

Ultraschalldiagnostik des Harnverhalts, aus Nursing Times.